Pressemitteilung zu zwei Veranstaltungen

In zwei gut besuchten Veranstaltungen am 24.11. im Literarischen Zentrum und am 06.12. in der OM10 stellten die ‚Göttinger Initiative Bürger*Asyl – Jetzt‘ ihre Idee vom Bürger*Asyl einem sehr interessiertem Publikum vor. Der Freiburger Soziologe Prof. Dr. Albert Scherr begann dabei am 24.11. mit einem Erfahrungsbericht eines ersten Bürger*Asyls in Freiburg, zwei KollegInnen aus Hanau schlossen ihre Erfahrungen in der Kampagnenarbeit und einem ersten erfolgreichen „Fall“ an. Dabei führte die Breite der Erfahrungen vor Augen, vor welch unterschiedlichen Herausforderungen diese Kampagne steht, welche Ziele aber auch zu erreichen sind.

In Freiburg nahmen engagierte BürgerInnen eine 6-köpfige, schwer traumatisierte und erkrankte Roma-Familie aus Serbien ins Asyl, die bereits mehrfach Asyl begehrt hatten, aber immer wieder in das soziale Elend abgeschoben wurden. Während es anfangs so aussah, als könne durch das Bürger*Asyl Zeit für ein weiteres Verfahren gewonnen werden, griff die Staatsgewalt just am Tag der Göttinger Veranstaltung zu und schob die betroffenen Personen nach Belgrad ab. Auch für den Referenten schwer zu verdauen dabei: noch im vergangenen Sommer hatte sich bis tief in die Mitte der Gesellschaft hinein ein breites Spektrum für ein Bleiberecht der Familie eingesetzt. Unter dem nach rechts verschobenen öffentlichen Diskurs heute aber, konnte es trotz öffentlichkeitswirksamer Aktion nicht gelingen, wieder eine ähnliche Unterstützung der Familie zu gewährleisten. Ihre Abschiebung war eine bittere Erfahrung. Im Nachklang der Aktion laufen erste Ermittlungsverfahren. Hier werden gfls. in Zukunft auch erste Erfahrungen auf juristischem Gebiet gesammelt werden.

In Hanau kursiert bereits seit Mai 2017 ein öffentlicher Aufruf für ein Bürger*Asyl, der von vielen Menschen unterstützt wird. Beeindruckend dort insbesondere die Strahlkraft ins gewerkschaftliche Spektrum und in Lehrerverbände hinein. Da in Hessen die Abschiebung afghanischer Geflüchteter zudem allgegenwärtig ist und sehr verängstigend auf die Betroffenen wirkt, liegt deren inhaltlicher Fokus auf diesen Abschiebungen. In einem ersten Bürger*Asyl konnte es allerdings gelingen, eine von einer Dublinabschiebung betroffnene Person Schutz zu gewähren, und damit den Zugang zum deutschen Asylsystem zu bewerkstelligen. Die betroffene Person hat inzwischen einen Flüchtlingsstatus.

Gerade weil beide Kirchen*Asyle sehr unterschiedlich gelagert waren und der Ausgang beider Projekte sehr unterschiedlich ausfiel, ergaben sich im Nachklang zu beiden Vorträgen  unterschiedlichste Fragen. Fragen nach einer Praxis des Kirchen*Asyls, die für alle Beteiligten den größt möglichen Schutz und die aussichtsreichsten Ansätze bietet. Deutlich wurde auf beiden Abenden, dass das Terrain der Kirchen*Asyle schwer umkämpft ist und dass wir viele Erfahrungen erst noch sammeln müssen. Deutlich wurde aber auch, dass die Zahl derer, die willens und entschlossen sind, das Projekt Kirchen*Asyl aktiv mit zu gestalten, groß ist und wächst. Nicht nur in Freiburg, Hanau und Göttingen. In vielen anderen Städten und Landkreisen der Republik gründen sich derzeit Bürger*Asyl-Initiativen.

Noch kann unserApell unterzeichnet werden. Unterstützt die ‚Göttinger Initiative Bürger*Asyl – Jetzt!‘

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